Schriftausstellung

Loibere riesen

Witzlaw von Rügen (1265–1325) — Dieses Lied ist, neben vielen anderen, in der Jenaer Liederhandschrift überliefert. Es bietet die Möglichkeit, sich einem mittelalterlichen Werk zu nähern. Ohne Takt- oder Tempoangaben und mit nicht eindeutigen Notenwerten kann eine heutige Interpretation nur eine Annahme sein.

Die folgenden Auszüge stammen aus der Jenaer Liederhandschrift (Zitation: ThULB Jena, Ms. E. f. 101, Bl. 080r und 080v). Wir zeigen den Weg vom Original über das harmonisierte Mittelhochdeutsch bis zur modernen Schrift — drei Stufen einer Annäherung an ein Lied, das vor 700 Jahren entstand.

Jenaer Liederhandschrift

Drei Stufen einer Annäherung

Originalseite aus der Jenaer Liederhandschrift

Originalschrift

Pergament aus dem 14. Jahrhundert

Auf Pergament tanzen Quadratnoten über vier Linien, darunter steht der mittelhochdeutsche Text. Initialen und Zierbuchstaben heben Strophen hervor — eine Seite, in der Schrift, Musik und Buchkunst untrennbar verschmolzen sind.

Zweite Seite aus der Jenaer Liederhandschrift

Harmonisiertes Mittelhochdeutsch

Lesbar gemacht

Der zweite Blick gilt einer harmonisierten Fassung: Mittelhochdeutsch in moderner Orthografie, damit das Lied auch ohne Spezialkenntnisse zugänglich wird. Verse, Reim und Versmaß bleiben — nur die Buchstaben rücken näher an unser Auge.

Moderne Übertragung des Liedes

Moderne Schrift

Ein Lied wird wieder singbar

Die dritte Stufe übersetzt das Lied in heutige Notenschrift und neuhochdeutsche Sprache. Aus der mittelalterlichen Andeutung wird eine spielbare Vorlage — mit dem ausdrücklichen Vorbehalt, dass Tempo und Rhythmus eine Vermutung bleiben.

Minneszene als Standbild zur Audio-Version

Hören

Eine Interpretation auf YouTube

Wer wissen möchte, wie „Loibere riesen“ klingen könnte: Ein Mitschnitt bietet eine moderne Annäherung. Wie bei jeder Aufführung mittelalterlicher Musik ist das Ergebnis eine Hypothese, nie ein Beweis — und gerade deshalb so reizvoll.